Neues Filament, was tun?

Um sich nach dem Kauf eines neuen Filaments viel Frust zu ersparen weil dieses entweder nicht am Druckbett haften will oder der Ausdruck aussieht wie Kraut und Rüben, sollte man sich angewöhnen die für das Filament optimalen Settings zu ermitteln. Folgende Schritte sind dabei wichtig.

 

Ermitteln der besten Slicer-Einstellungen für das neue Filament

  • Ermitteln des Durchschnitts Filament-Durchmessers
  • Ermitteln der optimalen Extruder-Temperatur für das Filament

 

Empfohlenes Werkzeug

  • Digitaler Messschieber

 

Neues Filament

Filament-Durchmesser ermitteln

Es gibt Filamente in 1,75mm oder in 3mm. Diese Werte müssen längst nicht hundertprozentig übereinstimmen. Mein schwarzes Filament hatte z.B. einen durchschnittlichen Durchmesser  von 1.70mm. Ermittelt habe ich den Durchschnitt mit Hilfe eines digitalen Messschiebers, indem ich das Filament auf einen Meter alle 5cm gemessen habe.

In meiner Slicer-Software, ich benutze Simplify3D, habe ich nun unter „Andere“ den ermittelten durchschnittlichen Rohfaden-Durchmesser von 1,7000mm eingestellt.

Um nun die für das Filament beste Extruder-Temperatur zu ermitteln, laden wir uns als erstes das Heattower Model von Thingiverse herunter. Der heattower ist ein einfaches Rechteck das in mehrere Segmente unterteilt ist. Nun fängt man an in den FFF-Einstellungen des Slicerprogramms unter „Temperatur“ für jedes Segment eine eigene Temperatur für den Extruder vorzugeben. Dabei fangen wir bei der höchsten Temperatur an und reduzieren diese je Segment um 5 Grad Celsius. Um die Ebene zu ermitteln bei der ein Segment beginnt, klickt man in Simplify3D auf den Button „Auf Druck vorbereiten!“ Ziehen Sie jetzt den Max-Slider unter „Darzustellender Bereich (Schichten)“ auf 1 und erhöhen Sie den Wert bis Sie die Einkerbung des neuen Segment sehen. Die einzutragende Ebene sehen Sie nun in der Combobox hinter dem Max-Slider.

SlicerEbenenErmitteln

Das Bild zeigt Ebene 75

Fügen Sie unter „Temperatur – Primary Extruder“ für jedes Segment einen der folgenden Werte ein.

 

Übertragen Sie den g-code zu Ihrem 3D-Drucker und drucken Sie das Model aus.

Wenn der Ausdruck abgeschlossen ist, prüfen Sie den headtower ganz genau und schauen bei welchem Segment das Druckbild am besten aussieht.

Hier kann man an dem linken headtower auf dem Bild genau sehen dass bei Temperaturen unter 236 Grad Celsius nur Müll raus kam. Deshalb habe ich den Test noch einmal mit Temperaturen von 247 – 236 Grad Celsius in Einer-Schritten durchgeführt.

Das Ergebnis kann man an dem rechten headtower auf dem Bild sehen. Nachdem ich ganz genaue hingeschaut habe und auch versucht habe mit dem Finger zu prüfen welche Schichten am stabilsten sind, habe ich erkannt dass eine Temperatur von 238 Grad Celsius bei diesem Filament am geeignetsten ist.

headtower

Links:  235 – 180 Grad Celsius
Rechts: 247 – 236 Grad Celsius

Der letzte Schritt ist das ausdrucken des Calibrationcubes. Zuvor löschen wir aber alle eingetragenen Extruder-Temperaturen außer der Temperatur, bei dem unser Model am besten aussah. Denken Sie aber daran auch die Schichtebene auf 1 zu setzen damit der Extruder ab der ersten Schicht die optimale Temperatur nutzt.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Beitrag den vielen Neulingen helfen die auch gerade erst mit dem 3D-Druck beginnen und sich genauso darüber geärgert haben, dass das eine Filament super gedruckt wird, während das andere vom selben Hersteller nicht zu gebrauchen war.

Ich für meinen Teil werde diese Prozedur nun immer anwenden wenn ich ein neues Filament nutzen will. Den durchschnittlichen Filament-Durchmesser wie die optimale Temperatur schreibe ich mir zudem direkt auf die Filamentverpackung.

Ach übrigens, da ich anfangs auch extreme Probleme mit der Haftung des Drucks am Heizbett hatte, habe ich auch einiges ausprobiert.

Was wirklich etwas gebracht hat so dass jeder Druck bombenfest auf dem Druckbett haftet.

  • Originale Glasscheibe durch einen Ikea Lots Spiegel ausgetauscht
  • Reinigen des Spiegels vor jedem Druck mit einem Küchentuch und Essigessenz.
  • Kalibrieren des Druckbettes mit einer 0.10mm Fühlerlehre bei warmer Nozzle und warmen Bett mehrfach hintereinander

Über Enrico S.

Programmierer, Webdesigner, Grafiker, Blogger, Screencaster, Arduino- und eMobility Enthusiast.

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